Die Geschichte der Köhlerei


Die  Holzverkohlung wurde nachweisbar seit ca. 800 n. Chr. im Sauerland betrieben und diente als Brennstofflieferant für die Eisenverhüttung. Die reichen Eisenerzvorkommen und die starke Bewaldung des Sauer- und Siegerlandes boten hierfür ideale Standortfaktoren. 

Im Mittelalter stiegen die benötigten Eisenmengen durch höheren Eigenverbrauch der Bevölkerung sowie den Bau bzw. Ausbau von Burgen und Befestigungen. Neue Schmelz- und Schmiedetechniken im 18. Jahrhundert ließen die Eisenindustrie mehr und mehr aufblühen, so dass enorme Mengen an Kohle produziert werden mussten. Im Jahre 1790 transportierte man 7.500 t Holzkohle vom Sauerland in das auf die Eisenproduktion spezialisierte Siegerland. 

Dadurch erfuhr die Holzkohlenmeilerei eine beträchtliche Bedeutung unter den Waldnutzungsformen. Das geringe Gewicht der Holzkohle ermöglichte ihren Transport über größere Strecken, so dass die Köhlerei in weitem Umkreis um die Erzverhüttung betrieben werden konnte. 

Durch die Verkohlung wurden Hölzer in einem Maße mit Kohlenstoff angereichert, dass sich der Heizwert gut verdoppelt und sich dem von reinem Kohlenstoff annäherte. So wurde mit Holzkohle die für das Schmelzen von Erz erforderlichen Temperaturen erreicht.

 

Zur Gewinnung von 1 Tonne Eisen wurden 4 Tonnen Holzkohle benötigt.


Zur Herstellung von 1 Tonne Holzkohle verkohlte man über 8 Raummeter Holz. 

 

Dieser Raubbau im Wald führte bald zu Holzknappheit. Forstverordnungen wurden erlassen, und die ersten Fichten als schnell nachwachsende Baumart im Sauerland gepflanzt. Ausfuhrverbote für Holzkohle wurden jedoch auf Grund der zügigen und guten Bezahlung der Siegerländer schnell vergessen. Sie führten nur zu Streit, die Siegerländer drohten im Gegenzug mit dem Ausfuhrstopp von Metallprodukten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt die Holzkohle durch die Steinkohle einen starken Konkurrenten. Innerhalb von wenigen Jahren viertelten sich die Preise und der Anteil an der Eisenproduktion fiel auf annähernd null. Mit dem Einsetzen der Eisenverhüttung im Ruhrgebiet schlossen viele der hier ansässigen Schmieden; die Köhler wurden ihrer Hauptkunden beraubt. 


Der letzte gewerbsmäßige Kohlenmeiler im Sauerland wurde 1956 in Fredeburg abgebrannt. 

 

Text: Die Holzverkohlung im Sauerland Alex Schlinkert, Grobbel Verlag 


Köhlerei in Hesborn

1981 wurde anlässlich der 750 Jahr-Feier der Stadt Hallenberg, die 1847 von dem Lehrer und Rendant Franz Lachemeyer, verfasste Chronik  herausgegeben.

Dort enthaltene Aussagen über den Grenzverlauf zwischen Hesborn und Mark Vilden vom 24ten März 1658, wonach drei an der Grenze liegende Kohlgruben von beiden Parteien gemeinschaftlich zu nutzen sind (S. 260); und Aussagen zu den Einnahmen aus dem Verkauf von Kohlholz (S. 268, 275, 280, 281) in den Jahren 1754 bis 1806; sowie die Anzahl der in den Hesborner Wäldern vorzufindenden Köhlerplatten, lassen darauf schließen, dass das Köhlerhandwerk intensiv betrieben wurde.

 

Schon in den Ausführungen von 1658 wird von der „gebrannten Seite“ gesprochen, so dass anzunehmen ist, dass diese Waldgebietsbezeichung, ebenso wie die Bezeichnung des Waldgebietes „Kohlhagen“, auf die Kohlholzverwendung zurück zu führen ist.

 

Lachemeyer schreibt 1847 u.a. auch: „Die ehedem sehr guten Communal-Waldungen sind durch regelwidrige Behandlung, übermäßige Kohlholzverkäufe vor 40 bis 50 Jahren und früher in einen verschlechterten Zustand gerathen und liefern den jährlichen Brandholz-Bedarf nicht, der theilweise aus den Königlichen Klosterwaldungen in Glindfeld bezogen wird.“ (S. 294)

 

Auf Initiative des Förderverein Hesborn fand am 02. Okt. 2005 unter großer Beteiligung der Hesborner Vereine der „Tag der Regionen“ statt. 

Im Rahmen der Vorbereitungen dieser Veranstaltung kam man auf die Idee, im Steinbruch einen Kohlenmeiler zu errichten.

Unter Leitung des Hirschberger Köhlers Karl-Heinz Ulrich wurde die Idee in die Tat umgesetzt.

Ein etwa 30 Raummeter Buchenholz umfassender Kohlenmeiler wurde aufgebaut, mit Plaggen abgedeckt und mit Stübbe von einer ehemaligen Meilerplatte luftdicht abgeschlossen.

Vom 25. Sep. bis 02. Okt. 2005 fand die erste Hesborner Meilerwoche statt.

Wegen des guten Anklangs in der Bevölkerung erfolgten bisher an gleicher Stelle weitere Meilerwochen im Mai 2009, im Mai 2013!

Die nächste Kohlenmeilerwoche find aus Anlass der Feierlichkeiten zum 750-jährigen Bestehen Hesborns in der Zeit vom 05. bis 13.05.2018 statt.

Ende des Jahres 2014 hat Deutschland erstmals 27 Traditionen und Wissensformen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Zu den nach intensivem Bewerbungs- und Prüfungsverfahren aufgenommenen lebendigen Traditionen zählt auch das Köhlerhandwerk.

Um dieses alte Handwerk unserer Vorfahren in Ehren zu halten und den kommenden Generationen zu überliefern, wurde im Sommer 2016 vom Förderverein Hesborn beim Wanderparkplatz „Hohe Schlade“ ein Schaukohlenmeiler errichtet.

Als Hölzer wurde in der unteren Schichtung Eichenholz und darüber Buchenholz verwendet.

Im vollständig geschlossenen Zustand hätte der Meiler ein Volumen von rund   17 cbm, was etwa 10 cbm oder 2 Tonnen Holzkohle ergeben würde.

Neue Sitzgelegenheiten und Infotafeln

Schaukohlenmeiler und Meilerhütte

Die Meilerhütte an der Hohen Schlade